Rituale aus der Kindheit

Tafjora hat auf ihrem sehr lesenswerten Blog eine Blogparade gestartet und mich gefragt, ob ich auch etwas zum Thema “Rituale aus der eigenen Kindheit” schreiben möchte. Sie selbst erzählt von einem wunderschönen Ritual, dass sie bereits als Kind genossen hat und nun an ihre Kinder weitergibt. Ich musste tatsächlich erst mal nachdenken, ob ich neben dem Einschlafritual, dass sich alle paar Monate ändert, eine “größere” Traditon pflege.

Meine Kindheit war ziemlich anstrengend, wie ich finde. Ich habe viele jüngere Geschwister, meine Mutter war überfordert und mein Vater musste unheimlich viel arbeiten. Zeit für Rituale blieb da kaum. Deshalb fielen mir tatsächlich zuerst welche ein, die ich immer in den Ferien bei meinen Großeltern erlebte: zum Essen wurde alles schön hergerichtet, es standen immer Blumen auf dem Tisch und es wurde immer eine Kerze angezündet. Außerdem hat meine Oma immer vor dem Schlafengehen mit mir gebetet. Das sind alles Momente, die mir richtig liebevoll in Erinnerung sind. Ich finde, daran erkennt man schon, wie wichtig Rituale für Kinder ist und bin sehr froh, dass mich Tafjora auf das Thema gebracht hat.

Der Sonntagsausflug

Dann fiel mir doch etwas ein, was quasi rituell in unserer Familie war: Wenn mein Vater sonntags nicht arbeiten musste – er war Arzt im Krankenhaus – unternahm er immer etwas mit uns Kindern. Wir gingen beispielsweise Verwandte besuchen, ins Schwimmbad und ganz oft im Wald spazieren. Dieser Tag war für mich wirklich heilig (wenn auch nicht aus kirchlichen Gründen… Asche auf mein Haupt…) und ich habe mich immer sehr auf den Sonntag gefreut.

Aussicht über ein Mittelgebirge

Hier waren wir früher oft unterwegs. Und auch heute entspannt mich ein Ausflug in den Wald und die Berge wie kaum etwas anderes.

Kann gut sein, dass ihr euch denkt, dass es doch selbstverständlich ist, dass Sonntag Familientag ist und man da Ausflüge macht. Ich weiß nicht, wie “normal” das ist. Meine Großeltern haben den Sonntag als Ausflugstag, insbesondere als “Wandertag”, bereits sehr hochgehalten und ich kenne das eigentlich nicht anders. Für meinen Mann war das allerdings nicht so. In seiner Familie wurde der Sonntag nicht besonders gepflegt. Und ich habe das Gefühl, dass auch gesamtgesellschaftlich die Bedeutung etwas abnimmt. Schließlich wird immer wieder diskutiert, den Sonntag als arbeitsfreien Tag abzuschaffen. Doch es ist für Familien nicht egal, an welchem Tag Mama oder Papa zu Hause bleiben können. Wie soll man denn koordinieren, dass alle am selben Wochentag frei haben? Und diese Sonntagsstimmung ist einfach etwas anderes als an anderen Tagen. Selbst in Berlin war sie zu spüren ;)

Ich versuche jedenfalls, dass dieser eine Wochentag für uns drei etwas Besonderes ist, dass möglichst wenig Haushalt gemacht wird, der Laptop bis abends nicht hochgefahren wird und wir immer etwas gemeinsam unternehmen. Das muss nichts Besonderes sein und muss erst recht nicht viel kosten, wichtig ist nur, dass wir den Tag, als Familientag reservieren. Natürlich gelingt uns das auch nicht immer, weil doch viel zu viel zu tun ist, aber wir bemühen uns dieses Ritual aufrecht zu erhalten. Und immer wieder denke ich auch an meine Großeltern und stelle Kerzen und Blumen auf den Tisch.

Wie seht ihr das? Ist der Sonntag für euch auch etwas Besonderes? Oder müsst ihr an dem Tag arbeiten?
Erinnert ihr euch noch an Rituale aus eurer Kindheit? Habt ihr diese in euren Familienalltag übernommen?

Tulpenstrauß

 

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