Sätze, die man beim Essen mit Kleinkindern vermeiden sollte

So könnte eine ausgewogene Mahlzeit für Kinder aussehenDie wichtigsten Eigenschaften bei der Beikosteinführung und auch später beim Essen mit Kleinkindern sind sicherlich Geduld und Gelassenheit.
Doch zwei Dinge machen uns das so schwer:

1. Das Kind macht eine Riesensauerei
2. Es will nicht essen, was wir uns wünschen (sei es Art oder Menge des Essens)

Für die Sauerei empfehle ich euch einen Hochstuhl, der leicht abwischbar ist. Wenn euer Boden schlecht zu reinigen ist, gibt es bei Ikea eine durchsichtige Plastikunterlage, die ihr einfach nach dem Essen abwischen oder unter die Dusche halten könnt. Und für alle anderen Sorgen empfehle ich euch das Buch “Mein Kind will nicht essen – Ein Löffelchen für die Mama” von Carlos González. Es hat mein Bauchgefühl voll bestätigt und ich würde es allen besorgten Eltern oder Großeltern ans Herz legen. Die Hauptaussage ist: Kein gesundes Kind verhungert vor dem vollen Teller. Weder wird es sich freiwillig mangelernähren, wenn wir ihm eine breite Palette an wertvollen Lebensmitteln zur Verfügung stellen, noch wird es sich unterernähren. Oft führt erst der Stress am Esstisch zu Problemen. Sollte das Kind trotz guter Bedingungen abnehmen, dann sollte man es natürlich durchchecken lassen.

Essen will gelernt sein - bis dahin wird viel auf dem Boden landen

Essen will gelernt, untersucht und erlebt werden…

Mein Mann und ich haben uns also vorgenommen, das Essen stressfrei anzugehen und dem Kleinen nichts aufzudrängen, was er nicht will. Im Großen und Ganzen klappte es super. Wir stecken allerdings gerade in einer Phase, in der unser Mini quasi gar kein Gemüse essen will. Es wird langsam wieder besser, doch zwischendurch brachte es uns doch leicht ins Zweifeln. Da es immer heißt, dass man ein Nahrungsmittel einige Male probieren muss und es dann eher mag, und dass sich der Geschmackssinn ständig ändert, haben wir trotzdem versucht, dem Kind immer mal wieder etwas Gemüse unterzuschmuggeln. Den Papa musste ich auch manchmal an unsere Grundsätze erinnern, wollte er doch tatsächlich mit einem Flieger ankommen, der in Minis Mund landet!
Falls ihr da nicht einfach abgebrühter seid als wir, sondern euch auch ab und an verunsichern lasst, möchte ich euch ins Gedächtnis rufen, welche Aussagen und Verhaltensweisen man meiner Meinung nach vermeiden sollte:

1. Ein Löffelchen für Mama…

Der Klassiker und deshalb auch der Buchtitel von oben genanntem Buch. Das Fiese dabei ist, dass man dem Kind nicht nur ein Essen aufdrängt, das es nicht haben will, sondern dass man ihm vermittelt, dass es durch das Essen seinen Mitmenschen einen Gefallen tut. Das ist wie Lob dafür, dass es den Teller leer isst. Schlimmstenfalls will das Kind die Eltern erfreuen oder zufrieden stellen und schaltet sein Bauchgefühl aus.

2. Kuck mal, da ist ein Stück Fleisch drauf!

OK, während mir Nummer 1 nie passieren würde, ist dieser Punkt der Anlass für meinen Blogpost. Ich habe ja schon geschrieben, dass wir versuchen, dem Kleinen ab und an Gemüse unterzumogeln. Wenn wir ihm Fleisch, Fisch oder Ei geben, isst der Mini das zuerst, schließlich will er das von unseren Tellern und wenn er nichts (mehr) bekommt, dann isst er Nudeln, Kartoffel oder Reis. Das Gemüse bleibt liegen, weil es ihn schlicht und einfach nicht interessiert.
Wenn wir nun das Fleisch, den Fisch oder das Ei ganz klein unter das Gemüse mischen, dann erwischt der Mini meistens etwas vom Gemüse, es stört ihn in der Regel auch nicht und alle sind happy. Allerdings ließen mein Mann und ich uns öfter dazu hinreißen, dass wir ihm das Gemüse mit dem “leckeren” Essen auf einen Löffel geschoben haben und ihm mit den Worten “Kuck mal, da ist ein Stück Fleisch drauf!” hingehalten haben. Mit dieser Aussage machen wir ausgerechnet die Bestandteile des Essens, von denen wir wollen, dass er sie am wenigsten isst, zu etwas ganz Besonderem!

3. … dann wirst du groß und stark! Oder: Das ist sooo gesund!

Vor wenigen Monaten zeigte eine Studie der Universität Chicago Booth School of Business, was viele sicher schon ahnten: Wenn Etern ihren (in diesem Falle) Vorschulkinder ein Lebensmittel als besonders gesund angepreißen, dann gehen die Kinder davon aus, dass dieses Essen nicht besonders gut schmecken wird. Sie haben dann wohl weniger das Idealbild von Popeye im Kopf, sondern viel mehr Attribute wie grün, bitter, trocken,… Und ganz ehrlich, so geht es vielen Erwachsenen doch auch noch.
Das Fazit der Studie ist, dass man den Kindern nicht sagen sollte, dass das Lebensmittel gesund oder gut für sie sei, sondern entweder, dass es gut schmecke oder man kommentiert es überhaupt nicht groß. Ich möchte mich nicht unglaubwürdig machen, indem ich dem Kind Blumenkohl hinhalte und ihm erkläre, wie lecker dieser sei. Das kann es ohnehin nur selbst bewerten. Stattdessen  werde ich das Essen in Zukunft noch weniger kommentieren. Schließlich haben wir das Kind auch bei anderen Entwicklungsschritten nicht belehrt und es hat bisher alles gelernt.

So werden wir diese Phase nun weiterhin aussitzen und versuchen ein möglichst gutes Vorbild zu sein. Auch wenn wir dafür in den sauren Apfel beißen ;)

 

Wie sieht es bei euch zu Hause aus? Seid ihr ganz entspannt in solchen Phasen? Oder gibt es die bei euch einfach nicht und ihr habt vollkommen unkomplizierte Esser?

7 Gedanken zu “Sätze, die man beim Essen mit Kleinkindern vermeiden sollte

  1. Ja, das liebe Essensthema! Mein Großer ist mittlerweile auch sehr wählerisch geworden, aber nur zuhause. Im Kindergarten isst er alles! WIr haben die Hoffnung also nicht aufgegeben. Der Kleine hingegen ist einfach alles. Wir lassen die Kinder weitestgehend ,aber mich nervt es, wenn zum Beispiel meine Eltern ankommen “einene Löffel für die Oma” oder “Tu doch der Oma einen Gefallen und iss die leckere Suppe, die ich gekocht habe”… Aber ich gebe auch zu. Manchmal sage ich Sachen wie “Wenn du groß werden willst wie Papa, musst du aber auch mal ein paar Erbsen essen”… ich glaube beim Thema essen, ertappt sich jeder mal bei so einer “Falle”, oder?

    • Liebe Nathalie,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Hihi, da hast du wahrscheinlich Recht, dass es jedem passiert… Wichtig ist wohl nur, dass es nicht System annimmt und man sich dadurch unglaubwürdig macht :)
      LG, Lukaano

  2. hi,
    probier es doch mal so das du alle Komponenten auf verschiedenen Tellern Schüsseln anbietest und verteilst und kleine Mengen. Gib ihm erst das Gemüse, dann die Beilage und das Fleisch lässt du auf deinem Teller und gibst ihm das nach und nach. Gross reden würde ich gar nicht, lass ihn erkunden, probieren, runterwerfen, fühlen und schmecken und glaub mir der Rest kommt von alleine.
    Unser Prinz liebt Gemüse und wir geben ihm alles. Nur vom Rosenkohl hat er ganz doll gepupst und deshalb warten wir da noch mal ein bisschen.
    Liebe Grüsse

    • Hallo Dani,
      vielen Dank für den Tipp! Das werde ich mal ausprobieren. Natürlich müssen mein Mann und ich dann auch erst das Gemüse essen, denn unser Kleiner will uns eh schon immer die Sachen vom Teller essen ;)
      Aber ich muss ja sagen, dass es auch schon wieder viel besser geworden ist. Eines Tages steckte er sich plötzlich wieder wie früher freiwillig Brokkoli in den Mund und fand Gefallen dran. Ich musste mich echt zurückhalten, nicht mit Begeisterung darauf zu reagieren :P Aber das wäre wohl nicht dienlich gewesen…
      Ich werde es aber einfach mal ausprobieren, was passiert, wenn es erst einen Gemüsegang gibt.
      LG; Lukaano

      • Haha,
        Ich denke die Geschmäcker ändern sich immer mal wieder. Der Prinz isst gerade abends nur saure Gurken, tja also gibts eben saure Gurken… Mir ist soooo wichtig das man mit Spass und Genuss isst denn ich habe als Kind da keine guten Erinnerungen und versuche es jetzt besser zu machen

  3. Wir haben das Thema auch immer. Bei uns gibt’s die Regel, dass eine Miniportion von allem probiert wird. Wenn dann die Nudeln, der Reis oder die Kartoffeln pur gegessen werden wollen ist’s halt so.

    Allerdings haben wir die Kinder schon oft durch das Anlegen von Gärten, wo sie mit der Gabel Wege hinein bauen können oder ein Algenmeer (Spinat) mit Sandstrand (Kartoffelpü) oder Brokkoli-, bzw. Blumenkohl-Bäume dazu gebracht auch die Sachen in größeren Mengen zu essen, über die sie sich vorher beschwert haben. Sie spinnen dann meist selbst die Geschichte weiter und merken garnicht, dass der große Dino grad richtig viele Brokkoli-Bäume gegessen hat, die das Kind fünf min vorher noch als “total eklig” abgestempelt hatte…

  4. Wenn ich eure Kommentare so lese – ich war als Kind in puncto Essen unkompliziert. Ich habe alles gegessen ohne Theater zu machen. Als ich in die Schule kam, ich mittags oft bei Klassenkameraden war und es ums MIttagessen ging, ich war das einzige Kind, das alles ohne Theater zu machen und ohne zu meckern. Daraufhin waren die Omas und Mamas ganz begeistert, dass endich mal ein Kind alles anstandslos isst. :) Heutzutage leide ich an einer Nahrungsmittelintoleranz, so dass ich kein Phosphat und keine E, sprich Zusatz – und Ersatzstoffe vertrage. Na, dann koche ich frisch – kenne ich eh nicht anders.

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